Warum beschäftigt sich der MVO mit dem Thema Toleranz?
Mit dem Begriff Mittelstand verbindet sich eine Unterscheidung der Bevölkerung nach der Berufsausübung bzw. einer fachlichen Qualifikation, die eine gesellschaftliche Position mit fließenden Grenzen gegenüber der sog. Oberschicht wir- der sog. Unterschicht darstellt. Eine Vereinigung, die sich aus dieser Personengruppe bildet, muss sich in irrem Selbstverständnis als beteiligte Gestalter der Wirtschaft verstehen. Das Interesse eines Mitgliedes dieser Vereinigung wird zunächst primär auf Gegebenheiten und Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Befriedigung von Bedürfnissen der Menschen an Waren und / oder Dienstleistungen seines durch ihn erreichten Umfeldes gerichtet sein, um mit gegebenen Mitteln einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.
Das Beziehungsgeflecht seiner wirtschaftlichen Betätigung für dieses Ziel und dem wirtschaftlichen Handeln seiner Umgebung, wird er als Einordnungsprozess begreifen, in dem er sich mit anderen zusammen in einer Vereinigung Gleichbetroffener besser orientieren kann ( MVO). Er wird sich auch als individueller Wirtschaftsteilnehmer in dieser Vereinigung besser vertreten wissen.
Auf diesen Mittelständler wirkt die Gesamtheit der Normen, Regeln und staatlichen Institutionen, in deren Rahmen sich sein Wirtschaftsprozess vollzieht. Diese Ordnungsgefüge, zusammen mit den politischen, kulturellen, rechtlichen Umweltbedingungen, bestimmen den Alltag seiner Berufsausübung, in dem er als Glied im vorhandenen gesellschaftlichen Kontext lebt. Er ist ein Bürger dieses Staates. übernimmt durch sein Tun oder Lassen Verantwortung wie jeder andere Bürger auch; als Unternehmer aber nicht nur für sich selbst, seine Familie usw., sondern trägt auch Verantwortung für die mit ihm im vertraglichen Verhältnis stehenden Mitarbeiter, die von ihm wirtschaftlich abhängen. Er muss sich, wenn er sich dieser Verantwortung stellt, nach den in dieser Gesellschaft anerkannten sittlichen Maßstäben messen lassen. Das muss jeder Bürger, nur er als Unternehmer trägt zu der Eigenverantwortung zusätzlich eine Fremdverantwortung für seine Mitarbeiter; im weiteren Sinne auch für die Region.
Hier treten philosophische Kategorien in das Handeln eines Unternehmers, die seinen Verhaltenskodex bestimmen. Er muss neben der rein geschäftlichen Existenzsicherung seiner Unternehmung auch die Wirkungen seines Handeins für andere Menschen bedenken. Er bewegt sich damit voll im Bereich der "Erfolgsethik", im Bereich der Philosophie. Wenn eine Vereinigung mittelständischer Unternehmer den Anspruch auf eine umfassende Kompetenz der Vertretung seiner Mitglieder erhebt-, muss sie, gerade in einer Zeit ständiger Paradigmenwechseln, die philosophischen Kategorien von Grundsätzen in der Lebensführung und Daseinsgestaltung in den unternehmerischen Alltag mit einbeziehen.
Der MVO hat durch seine enge Verbindung mit der Leibniz Sozietät die große Chance, eine Kernfunktion menschlichen Zusammenlebens mit Fachleuten aus der wissenschaftlichen Praxis heraus zu erarbeiten: Toleranz. Toleranz als Gegenstand rechtlich-politischer Praxis, wie auch als individuelle Haltung. Toleranz hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer grundlegenden Voraussetzung menschlichen Zusammenlebens und menschlicher Entfaltung entwickelt. Toleranz als freiwillig und bewusst ausgeübte Gesinnungshaltung ist nicht nur ein abstraktes Gedankengebäude, sondern tritt als Entscheidungsgegenstand unternehmerischen Handelns im operativen Alltagsverhalten auf. Deshalb vermittelt eine Aneignung bestimmter Kenntnisse, begriffliche Verständigung über Inhalt und Form dieses Konzeptes, einen Wertmaßstab zeitgemäßen Unternehmertums.
Diesem Ziel dient das Wirken des Arbeitskreises Toleranz im MVO. Als Ausfluss der Arbeit sind einmal die jährlich veranstalteten Toleranz-Konferenzen und die mehrmals jährlich abgehaltenen Schülerkolloquien für jedes MVO- Mitglied öffentlich zugänglich. Beide Veranstaltungsreihen sind geprägt durch ihre praktischen Bezüge zu den aktuellen Alltagsfragen in unserer Gesellschaft vor der Kulisse erforderlicher Toleranzausübung. Beide Veranstaltungsreihen sprechen in ihrer Themenauswahl Menschen aller Altersgruppen an. Mit dem Titel "Schülerkolloquium" wird der Weg zu der Relaisgeneration des jeweiligen Jahrganges gesucht, den Unternehmern und leitenden Angestellten von morgen.
Zukünftig werden regelmäßig Thema, Zeit, Ort und Referent(en) der Veranstaltungen des Arbeitskreises auf dem neu gefassten Internet-Portal veröffentlicht. Kurze Inhaltsangaben von Sitzungen und Veranstaltungen werden in Stichworten unter dem Begriff "Schlaglichter" auftauchen. Die aus dieser Arbeit heraus entstehenden Verbindungen zu anderen Arbeitsgruppen und Institutionen erscheinen unter dem Begriff "Netzwerke".
Unter diesen Aspekten bietet die Beschäftigung mit dem Thema Toleranz als eine der Schlüsselhandlungen in unserer Gesellschaft Chance und Verpflichtung zugleich. Die Chance für Veränderung zum Besseren, die Verpflichtung diese Chance zu nutzen.
Autor: Peter Redemann
Zurück zur Hauptseite des Arbeitskreises Toleranz